Kanzlei Drost & Grobel

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Wichtige Urteile aus dem Bereich des Verkehrsrechts:

Liegt kein Bagatellschaden vor (Grenze: 750,00 EUR), ist der Geschädigte berechtigt, ein Sachverständigengutachten einzuholen. Er braucht keine Marktforschung zu betreiben, um den günstigsten Sachverständigen zu ermitteln (AG Augsburg, Urt. v. 29.10.2010, Az. 25 C 2959/10; AG München, Urt. v. 18.08.2011, Az. 33 C 7760/11).

Zu den ersatzfähigen Schäden aus einem Verkehrsunfall gehören auch die Kosten für die Einholung eines Sachverständigengutachtens, wenn insoweit die Kosten für eine zweckentsprechende Rechtsverfolgung notwendig waren. Dabei darf sich der Geschädigte eines Sachverständigen seines Vertrauens bedienen. Die Grenze ist lediglich bei Bagatellschäden überschritten, deren Beseitigung – auch für den Geschädigten erkennbar – voraussichtlich nicht mehr als 750,00 EUR kosten wird.

Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers kann dem Geschädigten nicht entgegen halten, dass das Sachverständigengutachten überteuert sei. Der Geschädigte ist nicht verpflichtet, hier verschiedene Vergleichsangebote einzuholen, Gebührenpositionen zu vergleichen und das günstigste Angebot auszuwählen. Nur wenn der Geschädigte erkennen kann, dass die Kosten völlig aus dem Rahmen fallen oder in keinem vernünftigen Verhältnis zur erbrachten Leistung stehen, kann ihm der Mitverschuldenseinwand entgegen gehalten werden, so das AG Augsburg in dem zitierten Urteil.

In der Regel kann der Geschädigte als Laie aber nicht ohne Weiteres abschätzen, welchen Zeit- und Materialaufwand der von ihm eingeschaltete Sachverständige tatsächlich hat. Hat er keine konkreten Hinweise darauf, dass die mit dem Gutachten in Rechnung gestellten Gebühren völlig aus dem Rahmen fallen, kann er die Kosten vom Schädiger und seiner Versicherung ersetzt verlangen.

Unser Tipp: Bei nicht selbst verschuldeten Unfällen sollte der Geschädigte zur Schadenfeststellung immer einen unabhängigen Sachverständigen beauftragen und sich nicht auf eine Schadenermittlung durch einen von der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers beauftragten Gutachter einlassen.